Richtlinie 10 / 01

Bewertung von Schadstoffkonzentrationen im Feuerwehreinsatz

Stand: Herbst 2010

 

vfdb 10-01en

Evaluation of Harmful Concentrations in Fire Service Operations (Guidelines of Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes - vfdb)


Die Richtlinie 10/01 wurde unter Berücksichtigung der internationalen Acute Exposure Guideline Levels (AEGL) fortgeschrieben. Diese Richtlinie ist in deutscher und englischer Sprache erhältlich.

Die Neuauflage der RL 10/01 ist im Herbst 2005 erschienen. Unter www.umweltbundesamt.de  bzw. direkt über http://kepler.han-solo.net/uba/anlagen/AEGLWEB/Pages/Pages-De/index-d.html stehen die aktuellen AEGL-Werte (in Englisch) zum Download bereit. In der Anlage 1 wurden im Herbst 2010 die neuesten ETW-Werte eingefügt

Dieses Bild zeigt Einsatzkräfte im ET-Schutzanzug mit Mehrfachmessgerät
Quelle: Dräger Safety AG & Co. KGaA

Aus der Liste der Brandrauch-Leitgase wurde - das in dem zugrunde liegenden Forschungsvorhaben ebenfalls enthaltene - Formaldehyd gestrichen, Da es "nur" als Reaktionsprodukt entsteht. Es bleiben damit folgende Brandrauch - Leitsubstanzen (vgl. auch vfdb-RL 10/03): CO Kohlenstoffmonoxid, HCN Cyanwasserstoff ("Blausäure") und HCl Chlorwasserstoff ("Salzsäure")

Zur Abschätzung der Gefahren durch das Einatmen giftiger Gase und Dämpfe wurden - auf die Belange der Feuerwehr zugeschnitten - sogenannte Einsatztoleranzwerte (ETW) ermittelt. Die ETW sind toxikologisch so festgesetzt worden, dass unterhalb dieser Werte die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Einsatzkräften ohne Atemschutz bei etwa vier-stündiger Exposition während eines Einsatzes und in der Folgezeit nicht beeinträchtigt wird.

Seit Ende 1998 laufen international unter Führung der USA Arbeiten an ähnlich definierten Werten. Diese AEGL-Werte (Acute Exposure Guideline Levels) werden in den nächsten Jahren die ERPG-Werte (Emergency Response Planning Guidelines) ersetzen. Da die AEGL-2-Werte für 4 Stunden den ETW definitionsgemäß entsprechen, werden die ETW durch die AEGL-2-Werte ersetzt, sobald sie verfügbar sind. Die vorliegende vfdb-Richtlinie wurde daher unter Berücksichtigung der aktuell herausgegebenen AEGL-2-Werte überarbeitet. Im ersten Schritt wurden dabei AEGL-2, 4h-Werte für die feuerwehrrelevanten Stoffe übernommen, egal ob diese schon final waren oder nicht. Seit 2007 werden Änderungen bei AEGL-2, 4h-Werten nur noch als ETW übernommen, wenn diese in einem finalen Status sind. Für die Zukunft sind weitere Änderungen zu erwarten, da derzeit noch einige weitere Stoffe aus der ETW-Liste keinen finalen AEGL-Status haben.

Im Jahr 2008 wurden mehrere neu erschienene, finalisierte AEGL-2 (4h) Werte auf Übernahme nach den ETW-Kriterien geprüft. Den Kriterien des ETW entsprechend wurde der ETW von Chlorwasserstoff daraufhin von 5,4 auf 11 ppm (neuer finaler AEGL-2 (4h)-Wert) geändert.

Für 3 weitere Stoffe sind im Laufe des Jahres 2010 neue finale AEGL-2 (4h)-Werte veröffentlicht worden. Diese wurden auf der Herbstsitzung 2010 zur Übernahme als neue ETW vom Referat 10 beschlossen: Fluor von 2 auf 2,3 ppm, Kohlenstoffdisulfid von 10 auf 100 ppm und Schwefeldioxid von 1 auf 0,75 ppm.

Der Verwender der Richtlinie muss die Anwendbarkeit auf seinen Fall und die Aktualität der ihm vorliegenden Fassung in eigener Verantwortung prüfen. Eine Haftung der vfdb und derjenigen, die an der Ausarbeitung beteiligt waren, ist ausgeschlossen.

ETW wurden für Stoffe festgesetzt, soweit diese als Gase oder Dämpfe

  • einsatztaktisch relevant und
  • mit einfachen Mitteln sofort nachweisbar sind.

Die ETW sind in einer Wertetabelle zusammengestellt (siehe unten).

Bezugsquelle

Die vollständige Richtlinie können Sie beim  VdS-Verlag in deutscher und englischer Sprache bekommen.

Tabelle der Einsatztoleranzwerte

(Stand Herbst 2008) Einsatztoleranzwerte von Stoffen, die mit gängiger Feuerwehrmesstechnik messbar sind. Im Feuerwehreinsatz ist aufgrund der verfügbaren Messtechnik der ermittelte Wert im Vergleich zum ETW für die Beurteilung ggf. sinnvoll zu runden, siehe hierzu die vfdb-Richlinie 10/05 Gefahrstoffnachweis. Bei den gelb unterlegten Stoffe entspricht der ETW dem Acute Exposure Guideline Level-Wert-2 für 4 Stunden Exposition.

Stoffname CAS-Nr. Stoff-(UN-) Nummer ETW Ex 100 % UEG G H ABC-ErkKW
Aceton 67-64-1 1090 500 ppm 2,5 Vol.-% *
Acrolein 107-02-8 1092 0,1 ppm 2,8 Vol.-%
Acrylnitril 107-13-1 1093 20 ppm 2,8 Vol.-% ·
Ammoniak 7664-41-7 1005 110 ppm 15,4 Vol.-% *
Anilin 62-53-3 1547 3 ppm 1,2Vol.-% · *
Arsenwasserstoff 7784-42-1 2188 0,04 ppm 3,9 Vol.-%
Benzol 71-43-2 1114 20 ppm 1,2 Vol.-% · *
Carbonylchlorid (Phosgen) 75-44-5 1076 0,08 ppm n.b. *
Chlor 7782-50-5 1017 1 ppm n.b. *
Chlorbenzol 108-80-7 1134 100 ppm 1,3 Vol.-% *
Chlorcyan 506-77-4 1589 0,3 ppm n.b.
Chloroform 67-66-3 1888 44 ppm n.b. ·
Chlorwasserstoff (Salzsäure) 7647-01-8 1050 (1789) 11 ppm n.b.
Cyanwasserstoff (Blausäure) 74-90-8 1051, 1614 (1613) 3,5 ppm 5,4 Vol.-% · · *
Cyclohexylamin 108-91-8 2357 5,4 ppm 1,6 Vol.-% ·
Epichlorhydrin 106-89-8 2023 16 ppm 2,3 Vol.-% · *
Essigsäure 64-19-7 2789 20 ppm 4,0 Vol.-% *
Ethanol 64-17-5 1170 3 000 ppm 3,1 Vol.-% *
Ethylendiamin 107-15-3 1604 6,1 ppm 2,7 Vol.-% *
Ethylenoxid 75-21-8 1040 14 ppm 2,6 Vol.-% · *
Fluor 7782-41-4 1045 2,3 ppm n.b. ·
Fluorwasserstoff 7664-39-3 1052, (1790) 12 ppm n.b. ·
Formaldehyd 50-00-0 1198, 2209 1 ppm 7,0 Vol.-% *
n-Hexan 110-54-3 1208 200 ppm 1,0 Vol.-% *
Hydrazin 302-01-2 2029 3,1 ppm 4,7 Vol.-% ·
Kohlenstoffdioxid 124-38-9 1013 10 000ppm n.b.
Kohlenstoffdisulfid (Schwefelkohlenstoff) 75-15-0 1131 100 ppm 0,6 Vol.-% ·
Kohlenstoffmonoxid 630-08-0 1016 33 ppm 11,3 Vol.-% *
Methanol 67-56-1 1230 720 ppm 6,0 Vol.-% ·
Methylmercaptan 74-93-1 1064 3 ppm 4,1 Vol.-% *
Phosphorwasserstoff (Phosphin) 7803-51-2 2199 0,5 ppm 1.0 Vol.-%
Salpetersäure 7697-37-2 2031 (2032) 3 ppm n.b.
Schwefeldioxid 7446-09-5 1079 0,75 ppm n.b. *
Schwefelwasserstoff 7783-06-4 1053 20 ppm 4,3 Vol.-% ·
Stickstoffdioxid 10102-44-0 1067 8,2 ppm n.b.
Styrol 100-42-5 2055 40 ppm 0,97 Vol.-% · *
Tetrachlorethen 127-18-4 1897 120 ppm n.b. · *
Tetrachlorkohlenstoff 56-23-5 1846 39 ppm n.b. ·
Toluol 108-88-3 1294 94 ppm 1,1 Vol.-% *
Toluoldiisocyanat 2,4-TDI und 2,6 TDI Isomerengemisch 1321-38-6 2078 0,021 ppm 0,9 Vol.-% *
1, 1, 1-Trichlorethan 71-55-6 2831 380 ppm 8,0 Vol.-% · *
1, 1, 2-Trichlorethan 79-00-5 3082 25 ppm n.b. · *
Trichlorethen 79-01-6 1710 100 ppm 7,9 Vol.-% · *
Vinylchlorid 75-01-4 1086 100 ppm 3,8 Vol.-% · · *

Abkürzungen:

Ex = Gefahr explosibler Gas/Dampf-Luft-Gemische
UEG = Untere Explosionsgrenze in Vol.-% (1Vol.-%  entspricht 10 000 ppm)
Quelle: BGIA, Berufsgenossenschaftliches Institut für Arbeitsschutz
GESTIS-Stoffdatenbank www.hvbg.de/d/bia/fac/stoffdb/index.html
n.b. = nicht brennbar
G = Gefahr der „Gewöhnung des Geruchssinnes“
H = hautresorptiver Gefahrstoff
xxx =ETW entspricht dem Acute Exposure Guideline Level-Wert-2 für 4 Stunden Exposition
(·) = nur unter besonderen Bedingungen
*  = mit der Ausstattung des AC-Erkundungskraftwagens (ABC-ErkKW) erfassbar

Verzeichnis der Giftnotrufzentralen

Stand: Juli 2005

Stadt Giftnotrufzentrale Telefon
Berlin Giftnotruf Berlin Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen und Embryonaltoxikologie +49 30 - 19240
Bonn Informationszentrale gegen Vergiftungen Zentrum für Kinderheilkunde +49 228 - 19240
Erfurt Gemeinsames Giftinformationszentrum Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen +49 361 - 730 730
Freiburg Informationszentrale für Vergiftungsfälle Universitätskinderklinik +49 761 - 19240
Göttingen Giftinformationszentrum Nord Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein Zentrum für Toxikologie +49 551 – 19240
Homburg/ Saar Informations- und Beratungszentrum für Vergiftungsfälle +49 6841 - 19240
Mainz Beratungsstelle bei Vergiftungen Universität Mainz +49 6131 - 19240
München Giftnotruf München Toxikologische Abt. der II. Med. Klinik +49 89 - 19240
Nürnberg Toxikologische Intensivstation II. Med. Klinik des Städtischen Krankenhauses +49 911 - 398 2451
Wien Vergiftungsinformationszentrale Allgemeines Krankenhaus Wien +43 - 1 - 406 4343
Zürich Schweizerisches Toxikologisches Informationszentrum +41 - 1 - 251 6666

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